Vorläufiges Konzept “Haus Prudence”

Update zum 12. Mai 2018
(nicht abschließend)

Vorwort:

Das Konzept ist am 10. Mai 2018 in 2-3 Stunden fließend entstanden und wurde mit einer solchen Begeisterung aufgenommen, das wir es auch schon mal vorab veröffentlichen. Ziel ist es dadurch weitere Menschen transparent von dieser Idee begeistern zu können um im wesentlichen Mitglieder, Unterstützer, Förderer und Interessierte als potentielle Bewohner zu erreichen.
Das Konzept ist juristisch gesehen grundsätzlich geistiges Eigentum von Andreas Appenheimer. An der Realisierung haben sich bereits eine Menge Freiwilliger beteiligt, so das die Urheberrechte ebenso auf diese übertragen werden. Dennoch soll es als Pilotprojekt übertragbar auf jegliche Region mit ähnlichen Voraussetzungen sein und ist im Rahmen der CC-BY-NC-SA verwendbar: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/
Die Arbeitsversion im Online-PAD steht nach wie vor zur Mitarbeit offen. Den Link bitte direkt erfragen. Einmal täglich werden die Veränderungen aus der Arbeitsversion hierher übertragen.
 

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Leitziel

Zu 1:
In den letzten 40 Jahren wurde sehr viel Energie darauf verwendet, Menschen, die gesellschaftlich durch augenscheinliches Unvermögen an den Rand gestellt waren, Hilfen zur Rückkehr in die Gesellschaft anzubieten . Es gab sehr viele Ansätze, sei es aus traditioneller Sicht im psychiatrischen und sozial-psychologischen Bereich als auch moderne Ansätze über die akzeptanzorientierten Thesen.
    
Es ist unbestritten, daß die Folgen psychischer Belastungen und erlebter Traumata nachhaltig zu Persönlichkeitsveränderungen führen. Dieses ist nicht nur für die Betroffenen belastend und wirkt sich destruktiv auf ihre Lebensgestaltung aus, sondern auch für das Umfeld. 
Im Umgang mit  nahestehenden Personen, Familienmitgliedern, Arbeitgebern oder Organisationen mit Verbindlichkeitscharakter und Behörden bedeutet das  frustrierende, da meistens negative Ergebnisse. Vor allem kann es zu schwerwiegenden Konsequenzen im privatwirtschaftlichen Bereich kommen oder geht bis hin zu einer Einschränkung der Grundrechte des Einzelnen.
    
Eine statistische Auswertung, wie viele Menschen durch ihre unbehandelten Störungen und Belastungen letztendlich in Gefängnissen landen, um ihre Geldschulden abzusitzen, privat überschuldet sind, in die Obdachlosigkeit und /oder in Substanzmittelabhängigkeiten abrutschen, wäre zweifelsfrei ein unterstützendes Indiz für die Notwendigkeit modernerer Ansätze in der sozialen Abeit. Die Betroffenen benötigen posivite Motivation, Selbstverantwortung zu übernehmen und damit  ihre notwendige Eigenständigkeit wieder herzustellen sowie eine fortschreitende Verschlimmerung des Prozesses zu verhindern.
    

Das Konzept von “Haus Prudence” basiert im wesentlichen darauf, grundsätzlich niederschwelligste Hilfe anzubieten und zu ermöglichen und dadurch Anreize zu liefern, dass die Betroffenen sich zur selbständigen Lösung ihrer Probleme motivieren lassen.


Psychische Probleme & Störungen, Symptome, Diagnosen

Zu 2:
Das Konzept von “Haus Prudence” stellt nicht die Wirksamkeit sinnvoller Psychotherapien in Frage. Ebenso wenig das Konzept von Krisenintervention, welches sich ebenfalls in den letzten 30 Jahren als durchaus erfolgreich bewiesen hat. 
Oft ist durch diese Einrichtungen der erste Kontakt zur eigenen Krankheit für viele eine Erleichterung, denn erkannte und benannte Probleme kann man lösen. Das Rätselraten, das Spekulieren und auch das Gefühl der Entfremdung aus der Gesellschaft als “seltsamer und unnormaler Einzelfall, jemand der nicht ganz richtig (im Kopf) ist” wird an dieser Stelle oft endlich beendet.
Bei einigen Betroffenen genügt tatsächlich ein einmaliger Aufenthalt in einer Notfallklinik, einer Krisenintervention bzw. einem Krankenhaus mit einer offenen psychiatrischen Abteilung, um anschließend den Weg zu einem passenden Therapeuten oder einer Selbsthilfegruppe zu finden. Sie schaffen es dann, sich beispielsweise über einen disziplinierten, selbstauferlegten neuen Lebensweg (wie Sport, Freizeitaktivitäten mit anderen Menschen o.ä.) neu zu orientieren.
Jedoch trifft dies erwiesenermaßen nicht auf die meisten Betroffenen zu. Sehr oft werden die Symptome behandelt, jedoch deren Ursachen nur oberflächlich betrachtet, bzw. nur angerissen. Dahinter liegt ein anderes, sehr komplexes Thema der Wirtschaftlichkeit und Organisation von Klinikbetrieben, welche in diesem Konzept aus Gründen des ihm eigenen Umfangs nur angedeutet werden sollen.
Allzuhäufig werden ebenso nur oberflächliche bzw. ungenaue Diagnosen gestellt, um bestimmte Zeitrahmen nicht zu überschreiten oder die Liegezeiten nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Ebenfalls kommt es vor, dass die Kompetenzen der behandelnden Ärzte, der Therapeuten, des Pflegepersonals nicht genügen und das Konzept der Klinik nicht  ausreicht.
Verantwortungsvoll wäre (wie es auch meistens stattfindet), die Betroffenen in andere Fachkliniken zu vermitteln, an spezielle Psychotherapeuten, in Tageskliniken etc. Jedoch wird ein Bereich zu selten betrachtet: eine Nachsorgemöglichkeit, in einer offenen Lebensgemeinschaft, wie es seit den 1990ern sehr häufig im Behandlungsbereich “Sucht” stattfindet.

Psychiatrie- und Therapieerfahrung

Zu 3:
Eine wesentliche Voraussetzung für Betroffene, die als potentielle Bewohner in Frage kommen, ist die persönliche Erfahrung aus Therapien und Psychiatrieaufenthalten. Das Konzept “Haus Prudence” hat keinen klassischen therapeutischen Auftrag, sondern ist eine Lebensgemeinschaft von Menschen mit einer gemeinsamen themenbasierten Schnittmenge!
    
Die Bewohner haben idealerweise bereits reflektives Verhalten erlernt, um in Konflikten zur Außenwelt eigenständig Ansätze zur Lösung finden zu wollen. Die Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen, das regelmäßige Optimieren des Lebenskonzeptes und die Inanspruchnahme von dabei unterstützenden Hilfsangeboten sollten bereits bekannt sein.
    
Was ist zu verbessern, was macht krank, was muß “aufgeräumt” werden, wie funtioniert der innere Rückzugsort?
Dennoch werden keine Ratschläge erteilt oder sich gar in das Leben des Einzelnen eingemischt, sondern unterstützend in der Fragestellung. Alles sollte durch die bereits mitgebrachten Erfahrungen aus den Therapien als selbstverständlich betrachtet werden können.
Wenn dies der Fall ist, kann die Lebensgemeinschaft von “Haus Prudence” eine zielgerichtete “Pro-Leben” Atmosphäre erschaffen. Hier wird jeder Bewohner motiviert, aus Misserfolgen Erfahrungen zu schaffen, sich individuell an seinen Fähigkeiten zu orientieren, Konfliktlösungen als selbstverständlichkeit anzusehen und Isolationsbedürfnisse kritisch zu hinterfragen. 
Wenn Betroffene sich gegenseitig helfen, ist die Akzeptanz durch die gleiche Augenhöhe wesentlich höher, als wenn dies als Anordnung von einem professionellen Personal erteilt wird.

Nachsorge

Zu 4:
Die klassische Nachsorgesofern diese überhaupt im psycho-sozialen Bereich stattfindet – basiert darauf, über einen befristeten, jedoch zunächst nicht näher definierten Zeitraum in einer kleineren Gruppe, meist als Wohngemeinschaft, die Eigenständigkeit in Etappen wieder zu erlernen bzw. sich neu zu orientieren und den Weg zurück in die Gesellschaft zu finden. Das Fernziel ist jedoch meistens ein Leben auf “eigenen Füßen” in einer eigenen Wohnung.
 
Das Konzept von “Haus Prudence” geht hier einen ähnlichen Weg, jedoch nicht mit dem Fernziel, den Menschen zielgerichtet als Einzelnen wieder in die Welt hinaus zuschicken, sondern dauerhafte Lebensgemeinschaften zu schaffen, welche aus einer Menge von Gründen lohnend für die Betroffenen und auch für die Gesellschaft selbst sein werden.
 
Durch die Erfahrungen der einzelnen Betroffenen soll eine große Menge an Fachkompetenz zur Selbsthilfe entstehen. Die lebendige und “Pro-Leben” ausgerichtete Atmosphäre soll sinngebend auf den Einzelnen wirken. Anonymität und Vereinzelung im gewöhnlichen gesellschaftlichen Leben soll entgegengewirkt werden und die im beruflichen Bereich gemachten Erfahrungen, erlernten Berufe, Talente und Fähigkeiten (persönliche Ressourcen) sollen in der Selbstverwaltung des Hauses zum Einsatz kommen. Dies ist nicht nur sinnvoll, um wertschöpfende Betätigung bzw. eine Beschäftigung zu haben sondern auch langfristig im natürlichen Alterungsprozess dem Gefühl des “nicht mehr gebraucht werdens, sich überflüssig fühlens” auf sehr konstruktive Weise entgegen zuwirken.
 

Die Beschäftigungsausrichtung ist nicht mehr durch einen “8StundenTag” definiert, sondern orientiert sich an dem, was der einzelne Bewohner leisten kann oder möchte. Zudem wird es neben der hauptsächlichen Zielsetzung, den Lebensraum mitzugestalten und sich mit ihm zu identifizieren, auch ein Belohnungskonzept geben. Dieses sieht vor, dass jeder, der sich im Haus betätigt einen Obolus erhält. Dieser wird gezahlt aus einer Kasse, in die jeder auch etwas einzahlten muß.


Lebensfeldorientierte Hilfen

Zu 5:
Beginnend mit einem Zitat von Univ.Prof. Dr. Michaela Amering & Dr. phil. Margit Schmolke:
Lebensfeldorientierte Angebote 
Die Betreuung von psychisch erkrankten Personen muss sich an deren Bedürfnissen orientieren und nicht an den Bedürfnissen der Institutionen. Grundlage der modernen psychiatrischen Versorgung ist ein «personenzentrierter Ansatz», der flexibel und mobil auf individuelle Bedürfnisse und die Ressourcen im Umfeld der Betroffenen reagiert, anstatt deren Anpassung an bestehende Einrichtungen zu fordern.”
Es gehört zu den wichtigsten Aufgaben im Konzept von “Haus Prudence”, die  Ressourcen und Bedürfnisse der Bewohner zu erfassen, diese als individuelles Fundament für die Lebensausrichtung des Einzelnen zu fixieren und auch immer wieder zu überprüfen.
Durch die Möglichkeiten des “persönlichen Budgets” sollen außerdem professionelle Honorarkräfte aus ambulant betreutem Wohnen in Anspruch genommen werden, um die individuelle Verwirklichung der Bewohner zu  unterstützen und damit auch die möglichst rasche und langfristige Linderung der Symptome zu begünstigen.
Ob die Bewohner das Angebot wahrnehmen und endgültig in der Hausgemeinschaft wohnen bleiben, liegt ganz alleine bei ihnen selbst. Das Konzept sieht es zumindest so vor, das – sofern es keine triftigen Gründe für einen Ausschluss gibt – der Mietvertrag unbefristet ist.
Ob das Angebot einer gemeinsamen (Mittags-)Küche, die mit großzügigen Räumlichkeiten auch zum gemeinsamen lockeren sozialen Austausch dienen soll, in Anspruch genommen wird, kann frei entschieden werden. Die eigenständige Selbstversorgung soll nicht abgebaut werden, sondern bleibt Bestandteil der Grundlage, den Menschen im autonomen Prozess zu unterstützen.

 

(…) Noch nicht abschließend


Konkrete Angebote

Zu 6:
Zu den wichtigsten Angeboten für die Bewohner des Hauses gehört ein Büro, welches möglichst täglich besetzt ist, optimalerweise morgens und am späten Nachmittag, da dies in der Regel die häufigsten Krisenzeiten sind. Morgendliche Gänge zu Ämtern und Behörden können zu Panikattacken o.ä. führen. Nachmittags sind Klienten überfordert, wenn es darum geht Dinge einzukaufen oder die Freizeit zu gestalten.

Die Hilfe besteht hier nicht darin, die Aufgaben für die Bewohner zu erledigen, sondern Ansprechpartner zu sein und Hilfestellung zu geben, damit der Bewohner die Aufgabe selber lösen kann. Ist dies nicht möglich, kann eine Begleitung organisiert werden

Hilfe zur Selbsthilfe ist ein fundamentales Prinzip von “Haus Prudence”!

Weitere Angebote sind Gruppen-Freizeitaktivitäten wie beispielsweise Besuche von Konzerten oderStraßenfesten, Kinobesuche, sportliche Aktivitäten (Kegeln, Kletterparks, Kanufahrten…) oder was immer von den Bewohnern gewünscht wird und umsetzbar ist

Auch sind gemeinsame kleinere Reisen möglich.

Regelmäßige Gruppentreffen im Selbsthilfegruppencharakter sollen im wesentlichen der gegenseitigen Aktualisierung der Lebensumstände der Bewohner dienen. Sie sollen ermöglichen, Verbesserungen oder Verschlechterungen anzusprechen, selbständig Konflikte zu lösen sowie Lob und Kritik zu üben. Auch werden dort wichtige organisatorische Fragen geklärt.
    
Das Hausmeisteramt ist nicht verbindlich als Mädchen für alleszu sehen, sondern dient vorrangig als Ansprechpartner mit handwerklichem Fachwissen. Dieser Hausmeister kann Hilfestellung bei kleineren Reparaturen geben oder die Entscheidung darüber treffen, welche Aufgaben an externe Dienstleister weitergegeben werden müssen. Hierfür holt er dann beispielsweise Kostenvoranschläge ein und übernimmt die Kommunikation mit den Unternehmen.
Eine sinnvolle Erweiterung des Hausmeisteramtes wäre das Angebot einer Werkstatt, in der an Ergotherapie angelehnte Beschäftigungsmöglichkeiten geboten werden, beispielsweise Holzverarbeitung, Töpfern, Malen etc.
In der heutigen Zeit ist Medienkompetenz ein wichtiger Aspekt, beispielsweise was digitale Grundrechte und Datenschutz angeht. Aus diesem Grund soll es das Angebot eines Raumes mit Computerausstattung geben. Damit wird auch den Betroffenen, die aus wirtschaftlichen Gründen keinen eigenen PC besitzen, der Zugang zu Internet und Datenverarbeitung ermöglicht. Daher kann über ihn eine kompetente Unterstützung beim Erlernen der notwendigen Fähigkeiten erfolgen.
Der Initiator des Projektes “Haus Prudence” arbeitete über 10 Jahre in der Erwachsenenbildung als Dozent für Linux, Unix, Datenschutz- & Sicherheit, Netzwerktechnologien und Programmierung und ist Initiator vom Wittener “Hack_EN e.V.“, einem Computerclub angelehnt an Hackerspaces wie dem ChaosComputerClub.
    
Im Sinne der Selbstverwaltung wird es eine Buchhaltung geben. Die Tätigkeiten konzentireren sich auf die Liquidität der Eirichtung und auf die Verwaltung der laufenden Kosten. Darüber hinaus wird auch die Korrespondenz des Vereins mit Leistungsträgern, Fördervereinen und Privatpersonen in Eigeninitiative bewältigt.
Ob dies von den Bewohnern alleine bewerkstelligt werden kann oder dazu eine Fachkraft (in Teilzeit) als Unterstützung vonnöten ist, wird sich im Entstehungsprozess erst zeigen.
    
Weitere wichtige Aufgaben, die von den Bewohnern übernommen werden sind:
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Multiplikatorenarbeit
  • Ansprechpartner für Interessierte, Info-Gespräche
  • Durchführung von Veranstaltungen wie einem “Tag der offenen Tür”
  • Kontaktpflege
  • Aufbau und Pflege eines Netzwerkes
Hierdurch soll das vorliegende Konzept bekannt gemacht werden und eine Vernetzung mit Einrichtungen und Fachpersonen erfolgen, um Unterstützung und Austausch zu ermöglichen. Außerdem verstärkt das Engagement in diesem Bereich die Identifikation mit dem Konzept und der Hausgemeinschaft.
    
Eine wichtige und verantwortungsvolle Position haben die Bewohner inne, die eingehende Bewerbungen für einen Platz im Haus sichten und hier eine Vorauswahl treffen. Unbedingte Voraussetzung für diese Aufgabe sind Feingefühl, Respekt gegenüber den Interessierten und ein hohes Maß ans Verantwortungsbewußtsein.
    

Auch gehören Supervision und der Besuch von Erfahrungs-Austauschgruppen sowie nach Möglichkeit Fortbildungen zu den Aufgaben der Bewohner.


Werte und Ziele

Zu 7:
(..)


Wirtschaftlichkeit & Liquidität
(Businessplan)

Zu 8:
(..)
    

Literatur: